Die Sterbebegleitung kann ein großes Geschenk sein

 

Das Bewusstsein um die eigene Endlichkeit ist das große Geschenk, das allen in der Palliativ- und Hospizarbeit Tätigen zur Verfügung steht. 

 

Ein Satz aus einem arabischen Gedicht sagt: "Die Menschen schlafen, solange sie leben. Erst wenn sie sterben, erwachen sie."

 

Wir lernen etwas von der Dringlichkeit der Zeit. Es ist nicht mehr viel Zeit. Der Wert dessen, was jetzt ist, was jetzt möglich ist und jetzt gerade geschieht, wird dafür umso wichtiger. 

 

Die Begründerin der Palliativmedizin, die englische Ärztin, Sozialarbeiterin und Krankenschwester Dame Cicely Saunders sagte einmal:" Es ist nicht das Schlimmste für einen Menschen, festzustellen, dass er jetzt sterben muss; das Schlimmste ist, festzustellen dass man nicht gelebt hat und jetzt sterben muss". 

Was macht ein Sterbebegleiter

  • Für den Sterbenden da sein, ihn zu sehen so wie er ist und so wie er sich zeigt.
  • Wir stellen uns immer vor, kündigen an, was wir machen möchten, wir bieten an. Der Hörsinn bleibt bei Sterbenden am längsten erhalten. Auch wenn es von außen nicht so erscheint, auf einer anderen Ebene nehmen sie alles wahr, was mit ihnen geschieht und in ihrer Nähe geredet wird. 
  • Wichtig: der Sterbende bestimmt, was er haben möchte, was ihm gut tut. Das kann eine oberflächliche Plauderei, ein Buch vorzulesen, Musik zu hören, zu singen, zu beten und vieles mehr sein. Wir fragen nach, vielleicht können uns Angehörige oder das Pflegepersonal etwas über die Vorlieben des Sterbenden sagen. Wenn die Kommunikation auf verbaler Ebene nicht mehr möglich ist, kann auch über Berührung kommuniziert werden. Doch nicht jeder Mensch mag es berührt zu werden. Wir beobachten achtsam die Reaktionen des Sterbenden. Verkrampft er sich, wird die Mimik anders, was macht die Atmung, entspannt er sich?
  • Nicht interpretieren, nicht meine Vorstellungen dem Sterbenden aufdrängen.
  • In der Endphase des Sterbeprozesses sitzen wir oft einfach schweigend am Bett, unsere Gedanken sind beim Sterbenden. Wir sind im Hier und Jetzt. 
  • Wir halten die Gefühle aus, die eigenen und die des Sterbenden.
  • Manchmal brauchen uns die Angehörigen und Freunde mehr als der Sterbende. Auch für sie dürfen wir eine Stütze, ein Halt in der schwierigen Zeit sein. 

Nicht jedem Mensch liegt es, Sterbende zu begleiten

...und das ist völlig in Ordnung.

 

Niemand sollte sich zu etwas zwingen, was ihm nicht liegt, ihm Angst oder Unbehagen bereitet. Wichtig ist es, dazu zu stehen.

 

Auch Sterbebegleiter können nicht immer oder mit jedem. Sie brauchen oft Pausen nach intensiven Begleitungen. Selbstfürsorge und Reflexion sind wichtig. Was passiert bei mir und was brauche ich jetzt, was kann ich mir Gutes tun?

 

Lasst uns offen über das Thema reden. Ohne Angst, ohne Scham, das ist mein Anliegen.