Ernährung und Flüssigkeit am Lebensende

In der letzten Lebensphase, insbesondere bei Hochbetagten, verbraucht der menschliche Körper mehr Energie, als er zugeführt bekommen kann. Weil selbst "normale" Nahrungsmengen nicht mehr verarbeitet werden können. Um das Gefühl von Hunger und Durst zu stillen, reichen kleinste Mengen an Nahrung und Flüssigkeit aus. In der eigentlichen Sterbephase haben Patienten in aller Regel keinen Hunger. 

Das Durstgefühl am Lebensende hängt von der Trockenheit der Mundschleimhäute, aber nicht von der Menge zugeführter Flüssigkeit ab. 

 

Vorbeugung und Behandlung der Mundtrockenheit:

  • Vermeidung von Medikamenten mit schleimhautaustrocknenden Nebenwirkungen 
  • konsequente Mund-/Lippenpflege
  • künstlicher Speichel
  • kleine Eiswürfel
  • kleine Mengen Flüssigkeit (tropfenweise in den Mund)
  • Vermeidung von Zitrone/Glyzerin
  • Vermeidung von zusätzlicher Sauerstoffgabe (Nasenbrille oder Maske)

Es gibt eine ganze Reihe von Vorteilen einer verminderten Flüssigkeitszufuhr am Lebensende: weniger Erbrechen, Verringerung von Husten und Verschleimung, Verringerung von Wasseransammlungen im Gewebe, Lunge und Bauch sowie weniger Schmerzen. Außerdem konnte als Folge verringerter Flüssigkeitszufuhr eine erhöhte Ausschüttung von sogenannten Endorphinen im Gehirn festgestellt werden. Diese wirken schmerzlindernd und stimmungsaufhellend.

Dagegen kann die Flüssigkeitszufuhr in der Sterbephase, insbesondere mit einer unnötigen Sauerstoffgabe zu einer deutlichen Leidensvermehrung führen. 

 

Künstliche Ernährung und Demenz

Patienten mit weit fortgeschrittener Demenz verlieren nach der Bewegung- und Kommunikationsfähigkeit auch die Fähigkeit, sich ausreichend auf natürlichem Wege zu ernähren, selbst bei liebevoller Fütterung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt, oft aber aus pflegeökonomischen Gründen schon viel früher, wird eine künstliche Ernährung mittels eines durch die Bauchdecke direkt in den Magen führenden Schlauchs (PEG-Sonde) begonnen. Theoretisch könnte eine Nahrungs- und Flüssigkeitsgabe über die PEG-Sonde bei diesen Patienten einer ganzen Reihe von vernünftigen Behandlungszielen dienen, wie Lebensverlängerung, Verbesserung des Ernährungsstatus, Verbesserung der Lebensqualität, Verbesserte Wundheilung beim Wundliegen, Verringerung des Verschlucken. Leider sagen aber die gesamten wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema, dass kein einziges dieser Therapieziele bei Patienten mit fortgeschrittener Demenz zu erreichen ist. Stattdessen sind unter anderem das Infektionsrisiko und die Sterbehäufigkeit bei Demenzpatienten mit PEG deutlich erhöht.

 

Letztendlich geht es um die Wiederentdeckung dessen, was man das "liebevolle Unterlassen" am Lebensende nennen könnte - wozu gelegentlich mehr Mut gehört als zum Tun -, und um das (Wieder-)Zulassen des natürlichen Todes. 

 

 

Quelle: "Über das Sterben" Buch von Gian Domenico Borasio, Inhaber des Lehrstuhl für Palliativmedizin an der Universität Lausanne (Schweiz)